BIOMOTORIK

BIOMOTORIK – die Stärke des Pferdes ist sein Wesen

Das Pferd und seine Bereitschaft vom Menschen geritten zu werden, hat die Geschichte der Menschheit entscheidend mitgeprägt. Vor allem das gemeinsame Reiten beweist, dass der hochkomplexe Körper des Menschen, zusammen mit dem hochsensiblen Körper des Pferdes großartige Dinge hervorbringen kann.

Heute allerdings sind viele Menschen tief besorgt über die Entwicklung im fast allen Sparten des Reitens und mit dem Umgang des Pferdes. Ich weiß, wie aufrichtig sich manche wünschen, dass sich etwas für das Pferd ändert. Zwar hat es bis jetzt nicht viel gebracht, an der einen oder der anderen Schraube zu drehen – aber dennoch bleibt die Verantwortung für das Pferd bestehen. In unserer heutigen Welt – in der „natürlich“ schon lange nichts mehr natürlich ist – sogar in größeren Maßstäben als wir uns das oft denken.

Seit vielen Jahren beschäftigt mich aus vielerlei Gründen die Bewegungs- und Verhaltensforschung des Pferdes, bei der ich ganz sicher eines lernte: und zwar den Körper des Pferdes als „Reitlehrer“ zu betrachten, nach dem wir uns richten müssen. Und noch etwas konnte ich – sehr eindrücklich sogar – erlernen. Das wir alles, was wir FÜR den Pferdekörper und seine Funktionen tun, ganz sicher nicht ohne menschlichen Eigennutz ist, denn ein Pferd, dass im Zusammenwirken seines Körpers ist, drückt das in seiner Körperhaltung, in seiner Aufrichtung und natürlich in seinem Bewegungsausdruck aus.

Reiten wird einfach

Das Reiten jedenfalls vereinfacht das auf fast unglaubliche Weise. Statt dem Pferd Bewegungen beizubringen, brauchen wir den Reaktionen, Sinneswahrnehmungen und Bewegungsbedürfnissen des Pferdes „nur nicht mehr im Wege zu stehen“. Durch die spielerische Lenkung der Aufmerksamkeit setzen wir dem Pferd feine Grenzen, die das Pferd braucht, um Sicherheit zu empfinden.

Der unsichtbare Rahmen (heute könnte man Bubble dazu sagen) die Mensch und Pferd in ihrer Durchlässigkeit vereinen, geben dem Pferd die Möglichkeit, im Zusammensein mit dem Menschen – selbst-bewusst  mit seinem Körper umzugehen und seine Bewegungen (auch mit Last) neu zu erleben. Für das Pferd sind das starke, tiefe und auch körperlich heilsame Bewegungserfahrungen.

Die Körperfunktionen des Pferdes sind seit Jahrtausenden unverändert

Uns spielt dabei buchstäblich in die Hände, dass die Fähigkeit zur Plastizität dem Pferdekörpers genetisch bedingt ist. Sie hat sich über tausende von Jahren in ihrer Funktionsweise gefestigt, sind somit Teil des Pferdes und haben sich in den vielen, vielen Generationen von Pferden und Pferderassen selektiert. Die Grundlage dazu kann man im Skelettaufbau des Pferdes beobachten. Eine faszinierende Wissenschaft übrigens, die viele Fragen auf ihre Weise löst.

Die Herausforderung annehmen

Das Pferd in seinem Körper und in seinen körperlichen Bedürfnissen, durch unser Verständnis und Denken bewusster wahrzunehmen kann also der gesuchte Weg sein, um Lösungen zu finden, die das Wohlergehen des Pferdes ins Reiten miteinschließen. Wenn UNS die Gemeinschaft mit dem Pferd, das Erlebnis des Reitens, entspannt und Freude bringt, ist das zwar wunderbar. Aber zusätzlich zu unserer persönlichen Befriedigung sollten wir die Bedürfnisse und Probleme des Pferdes verstehen.

Eine halbe Stunde Longieren – und der Rest des Tages ist egal?

Kein Pferd ist vom Wesen her ein Profisportler, dessen ganzes Leben, von der Ernährung bis zum Schlafrhythmus auf intensive „Trainingseinheiten“ zugeschnitten ist, um nach einer halben Stunde Vollgas, erschöpft in sein Stroh zu fallen. Die ungleiche Bewegungsverteilung, die dabei entsteht, führt zu einer unverhältnismäßigen Beanspruchung einzelner Gelenke, während andere nicht bewegt werden. Das Pferd bleibt in passiver Körperhaltung allem Neuen gegenüber – buchstäblich in seinem Körper gefangen – und kann dementsprechend schlecht mit Stress und Herausforderungen umgehen.

Lange Zeit fällt ein „grünes Pferd“ quasi in die Bewegung hinein – alle Strukturen sind dazu ausgeprägt (z. B. sind die Vorderbeine stabilisiert). Erst durch die variantenreichen Anregungen und Anreize der Umwelt beginnt eine Bewegungsverteilung, die das Körpersystem des Pferdes nach hinten verlagert und dabei die Halsbasis aufrichtet. Diesen, auch optischen Veränderungsprozess der Körpermechanik, kann man durch die drei Entwicklungsphasen hindurch gut beobachten.

Entscheidend für die reibungsfreie Entwicklung des Pferdekörpers ist also, dass sich während seiner Reifung die drei Systeme des Körpers: das Bewegungssystem, das organische System und das Stoffwechselsystem im selben Maße mitentwickeln kann und sich dabei keine Spannungsmuster aufbauen. Das ist die „Grundhierarchie“ des Körpers, auf deren Basis die motorischen Fähigkeiten des Pferdes funktionieren. Können die sich nicht mitentwickeln, ist es gut möglich das Reste der Überlebensreaktionen einsetzen, nämlich Erstarrung oder Verkrampfung der Eingeweide.

Jede körperliche Spannung hat aber auch eine emotionale Dimension (nicht nur beim Pferd) und prägen die Befindlichkeit des Pferdes – aber vor allem sein Verhalten in allen möglichen Situationen (Sozialverhalten, das Verhalten zum Menschen oder auch sein „Fluchtverhalten). Das alles kann aber auch durch erlerntes oder konditioniertes Verhalten verdeckt werden (um in Momenten und Situationen, in denen es der Mensch gar nicht gebrauchen kann, wieder zu Tage zu treten)

Aus diesem Grunde ist das Bewegungsverhalten des Pferdes nicht steuerbar – also auch nicht erlern- oder erziehbar. Es entspringt dem natürlichen Fluss der Überlebens-Ausstattung des Pferdes. Wollen wir also dafür sorgen, dass das Pferd von seinen archaischen oder festgefahrenen Reaktionen befreit wird, müssen wir dem Pferd den Übergang vom unbewussten Reaktionen zu bewussten Handlungen seines Körpers ermöglichen.

Die Aufmerksamkeitsfokussierung ist damit DIE Jokerkarte des Menschen, damit das Nervensystem des Pferdes wieder zum Einsatz kommen, und in der Eigenregulation, den Organismus des Pferdes immer wieder in einen durchlässigen und reaktionsfähigen Zustand versetzen kann, der dem Pferd hilft, seine Körperfunktionen wieder zu aktivieren. Die Aufmerksamkeitsfokussierung verschiebt den Körperprozess in Richtung innere Mobilität, verstärkt die zusammenwirkenden Bewegungen und bringt „natürlich“ auch weitere Bewegungsmöglichkeiten hervor.

Es geht um den eigenen körperlichen Weg des Pferdes zu seiner Durchlässigkeit

Wir können das Pferd wunderbar darin begleiten, mit seinen neuen Bewegungsmöglichkeiten sein Atemvolumen zu erweitern, dabei seinen körperlichen Rahmen zu verkleinern (Sammeln – Versammeln), die Bewegungen seiner großen Gelenke zu vergrößern und den Bewegungsraum des Körpers weiter zu entfalten. Die Aufmerksamkeitssteuerung gibt dem Pferd das Gefühl seine Körperteile selbst zu entwickeln, um sie durch die Bewegungsideen, dem Spiel und der Interaktion mit dem Menschen zu einem gleichmäßigen Fluss einer Gesamtbewegung zu koordinieren.

Und genau das ist der Beginn einer körperlichen Pferdeausbildung zum Reiten

Gemeinsam mit dem Pferd können wir seinen Bewegungsprozess bei ruhiger Aufmerksamkeit und ständig wachsender innerer Dynamik verlangsamen – bis zum quasi Stillstand der Bewegung (Piaffe). Unabhängig von unseren Vorstellungen kann sich der Organismus des Pferdes von selbst, in winzig kleinen organischen Schritten in die „Grundhierarchie“ seines Körpers hinaufarbeiten.

Das Wesen des Pferdes ist seine Stärke

Mir ist bewusst, dass die Biomotorik eine na, ja – sagen wir, ungewöhnliche Sichtweise und Herangehensweise im Umgang mit dem Pferd, bis hin zum absolut anspruchsvollen Reiten des Pferdes aufzeigt. Aber gibt es wirklich einen Grund, warum wir uns noch immer an alte, festgefahrene krampfhafte Wege klammern sollten, die heute nicht mehr tauglich sind, wie viele unglückliche Pferde und ihre Menschen leider so deutlich zeigen. Ich kenne keinen…

Ich weiß, dass vielen Menschen gar nicht klar ist, dass ihre liebevollen und gutgemeinten Handlungen möglicherweise ein „Leiden“ beim Pferd erzeugen. Ich spreche bewusst von „Leiden“ und meine damit die Eingriffe in das perfekte und doch so abhängige Körpersystem des Pferdes, genauso wie die stereotypen Bewegungsabläufe, die in den verschiedensten „Schulen“ gefordert werden. Das Pferd ist abhängig von den Umweltbedingungen, mit denen es lebt. Also auch von uns Menschen.

Für ein Pferd, dass schon Bewegungseinschränkungen- und Störungen, Einbindungen, Spannungsmuster- und Gewohnheitsmuster, Ausweich- und Kraftmuskulatur entwickelt hat, geht es nicht, dass wir nichts tun, das Pferd mit seinen körperlichen Problemen alleine lassen, um es dann sogar noch zusätzlich mit unserer Last zu belasten. Auch die Hilfen von außen (Therapien) werden ohne entwickelte motorische Basisfähigkeiten des Pferdes immer nur ein „Hilfsprojekt“ bleiben.

Wie ich es oben beschrieben habe, sehe ich mich zwar eher als Bewegungs- und Verhaltensforscher des Pferdes. In meinen langangelegten, umfangreichen „interdisziplinären“ Studien habe ich aber erfahren, wie notwendig die eigenen Basiserfahrungen des Pferdes sind. Und sei es „nur“ bei den so gar nicht trivialen Bewegungsprozessen wie beim „Angehen“ und „Anhalten“ des Pferdes.

Dass ich die Menschen und ihre Pferde in ihren Schwierigkeiten und Problemen beobachtet und in den Lösungen begleitet habe, habe ich mich aber eher zu einer Art „Störungsforscherin“ für „eingeschränkte Bewegungen“ entwickelt.

Die Konsequenz, die daraus entstanden ist, dass ich Ihnen für die „Bewegungsstörungen“ ihres Pferdes – aber genauso auch für die Ihres Körpers – Lösungen anbieten kann. Und, um Sie dabei zu unterstützen, selbst zu verstehen, was dem Pferd in seinem Körper hilft, was und warum bei ihm Unsicherheit – vielleicht auch Aggression entstehen muss und wie überaus verletzlich das Pferd in seinem Körper ist, wenn seine motorischen Basisfähigkeiten nicht erfüllt werden.

Und davon handelt meine Webseite…

Monika Buhl