Biomotorik – Bewegung neu denken

Reiten ist immer der Ausdruck der gegenwärtigen Kultur und Geschichte. Im Moment zeigt das „Reiten“ allerdings eher das spezialisierte und zielorientierte „Bewegtwerden“ des Pferdes und das Nachahmen von vorgeschriebenen Bewegungen als eine gemeinsame Sensibilität zwischen Mensch und Pferd. Aber wenn „Reiten“ nicht in erster Linie für die körperliche Weiterentwicklung des Pferdes da ist – wozu ist es dann da?

Das Pferd hat sich verändert, weil sich seine Umwelt und die Ansprüche an das Pferd verändert haben. Der Bewegungsapparat des Pferdes ist aber ein kompliziertes Konstrukt mit komplexen Bedürfnissen, die von einer Fülle von Faktoren mitgeprägt werden. Ein Pferdekörper funktioniert wohl eher kaum nach Prinzipien der mechanischen „Optimierungen“, die viel zu statisch und viel zu verschlossen gegenüber den vielfältigen Bewegungsanreizen sind, die das Pferd zu seiner Gesunderhaltung braucht. An dieser Stelle beginnt das Problem für das Pferd.

Das heutige Bewegungsangebot an das Pferd ist in höchstem Maße „unmodern“ – viele verwechseln eine „Ausbildung“ mit einer uralten „Pädagogik“, die dem Pferd mit allen Mitteln Gehorsamkeit aufzwingen will, ignorieren dabei die im Pferd angelegte Körpermechanik und missverstehen den langangelegten Prozess der Körperbildung mit Dehn- oder Krafttrainings und künstlich erzeugten Schiefen. Und genau diese Missverständnisse wurden in den letzten Jahrzehnten gesellschaftsfähig.

Mittlerweile sind dadurch Probleme entstanden, die nicht nur den Menschen als „Rittigkeits-probleme“ beschäftigen, sondern in erster Linie das Pferd betreffen. Ich spreche von durchaus ernst zu nehmenden gesundheitlichen Themen, von Verhaltensstörungen, oder zumindest – Auffälligkeiten im Verhalten – mit denen der zusehends bewegungseingeschränkte Mensch dann nicht mehr umgehen kann – auch weil man die „Unrittigkeit“ durch den Aufbau von zusätzlichen Muskeln weiter verstärkt und dem „Verhalten“ des Pferdes durch kontrollierende Maßnahmen beikommen möchte.

So bemühe ich mich seit Jahren ein anderes Verständnis für den Pferdekörper zu entwickeln und dabei die Veränderungsprozesse, die im Pferdekörper anstehen – damit es gesund geritten werden kann – genauer ausmalen. Während die Reittechnik erklärt wie geritten wird und wie Reitbewegungen ausgeführt werden, zeigt die Biomotorik wodurch Bewegungen ausgelöst werden und wie man zu Bewegungen des Pferdes kommt, die den Prozess der Bewegungsentwicklung weiterbringen.

 Wir müssen über das Bewegungsverhalten des Pferdes sprechen.

Bewegungen beeinflussen das Verhalten und das Verhalten beeinflusst die Bewegungen des Pferdes. Das ist nun wirklich keine neue Erkenntnis – die wichtigsten Stallmeister haben aus diesem Grund auf eine möglichst sorgfältige, gewissenhafte Vorbereitung des Bewegungsapparates hingewiesen, um das Verhalten des Pferdes auf diese „natürliche“ Weise zu lenken. Wenn allerdings diese Basis und Grundlage der Bewegungen bröckelt, und sie bröckelt, wie wir alle wissen, gewaltig, gerät das gesamte Gefüge des Bewegungsapparates aus dem Leim.

Und obwohl die Bereitschaft, neue Wege zu gehen in dem Maße wächst, in dem die traditionellen Wege der Pferdeformung immer schwerwiegendere Missstände und deutliche gesundheitliche Probleme des Pferdes hervorrufen, mangelt es nach wie vor daran, einen grundsätzlich neuen Ansatz zu „wagen“. Weiterhin wird das Pferd nach Mustern und vorgegebenen Körperformen „gearbeitet“

Wir dürfen nicht mehr so tun, als ob wir alles, was wir zum Reiten brauchen, schon vom „grünen Pferd“ erwarten könnten, denn es muss in seinem Körper erst entwickelt werden. Das Fehlen des plastischen strukturellen Aufbaus hat selbstverständlich Konsequenzen für das Pferd und seine inneren Strukturen – also die Durchlässigkeit, die Atem- und Hormonregulierung – aber ganz sicher für ein abriebsfreie Zusammenwirken des Bewegungsapparates wie es die Konstruktion vorsieht.

Man könnte es überspitzt formulieren: in einer Reitorientierten Ausbildung mit „verabreichten Bewegungen“, wird dem Pferd seine natürliche Bewegungsneugier, die Freiheit seiner Bewegungsfähigkeit und das gerade entfaltende und wachsende Vertrauen zu den eigenen Bewegungen wieder ausgetrieben und abtrainiert.

Aber wir können uns nicht aus der Verantwortung mogeln, denn wir sind es, die die Bewegungen des Pferdes prägen. Es reicht nicht, nur die „Mechanik“ des Pferdekörpers zu kennen – „Mechanik“ ist verformbar und ein Reiter, der noch nie die echte Sammlung des Pferdekörpers unter sich gespürt hat – die aus der „Sammlung“ der Rippen und der Bewegungsfähigkeit der „großen Gelenke“ entsteht – verfällt leicht der Verführung den Kopf und Hals des Pferdes nach vorne sinken zu lassen um das mechanische Heben des Rückens – und manchmal auch die des Halses, als „Auftrieb“ zu verstehen.

Die Selbstauf- und ausrichtung wird vergessen

Es ist eine eigenartige Angewohnheit, wenn man das fest gewordene Genick des Pferdes in den Wirbeln verstellt, den Hals mechanisch auf- oder abrichtet, fixiert zurückhält und kontrolliert. Dabei ist es wahrlich keine Kunst, einen Pferdekörper, der so außerordentlich anpassungsfähig ist, mit künstlich angelernten Bewegungen dazu zu bringen sich für die jeweiligen Reitweise zu verformen. Es schmerzt zu beobachten, was für eine Monstrosität und Missachtung für das Pferd dabei entsteht.

Bewegungsphasen

Dabei ist es die ruhige, heitere, spielerische Atmosphäre, in der sich die Bewegungen des Pferdes entfalten können, in den sich der Pferdekörper mit seinen Bewegungsanlagen und Fähigkeiten so umstrukturieren und sich plastisch aufbauen kann, dass der Mensch auf dem Pferderücken nicht mehr beschwerlich ist, sondern das Gegenteil, ein gemeinsamer Austausch entstehen kann.

Zutrauen in die eigenen Fähigkeiten entwickeln

Um das Zutrauen im Pferd zu seinen eigenen Bewegungen zu entwickeln, muss es sich im buchstäblichen, zumindest aber im übertragenen Sinne „gesehen“ fühlen. Das übrigens geht jedem Kind und jedem Erwachsenen so. In jeder Beziehung geht es um Kommunikation und Kommunikation hat etwas mit Gefühlen und Verständnis zu tun. Es ist ein großer Irrtum zu glauben, „Reiten“ sei eine bloße Technik, die man sich – und manchmal durch selbsternannte „Experten“ – aneignen könnte.

Wenn das so wäre, könnte man das „Körpersystem Pferd“ mit einem Handbuch ausstatten, in dem für die jeweilige „User“ einer Reitweise oder Reitideologie alles Wissenswerte über Bedienung, Wartung, Instandhaltung und Reparatur des Pferdes aufgezeichnet ist. Denn sowohl das Körpergefühl als auch die Bewegungen, die für das Pferd daraus entstehen, lassen sich nicht „verabreichen“.

Bewegungen müssen von Pferd und Mensch individuell und interaktiv ausgedrückt, empfunden, angenommen, abgestimmt und verfeinert werden. Und je besser das gelingt umso mehr werden die Bewegungen als auch das Körpergefühl von beiden – wiederum interaktiv – beflügelt.

Um nichts weniger geht es in der Biomotorik und auf meiner Webseite

Und weil ich weiß, dass einerseits Bewegungssituationen mit dem Menschen für das Pferd sehr prägend sind, aber auch der Mensch eine Orientierung und „Fixpunkte“ für die Körperbildung des Pferdes braucht, habe ich die „biomotorischen Übungen“ für das Pferd entwickelt, mit denen jeder sein Pferd in seinen Bewegungsphasen begleiten kann.

Im Pferd werden dabei dieselben Wirksamkeiten ausgelöst, mit denen das Pferd in der freien Natur seine Bewegungsfähigkeit weiterentwickelt. Das Pferd muss dabei nicht mehr erlernen, was ihm aufgezwungen wird, sondern lernt sich selbst, seinen Körper, seine Möglichkeiten und Fähigkeiten kennen – immer in der Beziehung zum Menschen.

Für mich bleibt die Körperbildung des Pferdes eine Kunst, die über die Nervenbahnen und das Gehirn des Pferdes gehen muss. Man darf es gerne als Kunst verstehen, zu erlernen, wie das Pferd Bewegungen, die WIR zum Reiten brauchen, als seine eigenen verstehen kann. Körperbildung ist also die Art, wie der Mensch dem Pferd in seinen Schwierigkeiten zuhört und ihm antwortet und seine Probleme, die das Pferd mit seinem Körper hat, ernst nimmt.
Das dürfen, nein das müssen WIR lernen – nicht das Pferd…

Und doch sieht die Natur die Bewegungsentwicklung nicht als Kunst, sondern als pure Notwendigkeit – als Voraussetzung zum gesunden Überleben, weil nur die Fähigkeiten des Pferdekörpers, die in ihm angelegt sind, nachhaltig die Qualität der Bewegungen und des Organismus sichern.

Wie aber kommen Mensch und Pferd in ihren Bewegungen zusammen?

Wie finden Mensch und Pferd in ihren Bewegungen zueinander damit aus dem „Reiten“ eine „Bewegungskunst“ entstehen kann, die aus dem gemeinsamen Bewegungsdenken genährt wird? Wie kommt man von Pferdebewegungen weg, die die bereits überlastete Vorhand noch mehr belasten und die Hinterhand „entlasten“ (wodurch mit der Zeit genau die Muskeln und Strukturen geschwächt werden, die das Pferd zur freitragenden Wirbelkette und zu seiner Zwerchfellatmung braucht).

Auf der Suche nach entstressenden Bewegungen, die zuerst in der reduzierten Beweglichkeit in den Kiefer- und Kopfgelenken und in den extrem verspannten Nackenmuskeln des Pferdes sicht- und spürbar werden, möchte ich Sie gern begleiten und mit Rat und Tat zur Seite stehen.

Auf meiner Webseite, in meinen EMAILS (die Sie kostenlos anfordern können) und natürlich in den persönlichen „Einzel Up-dates“ möchte ich ihnen erklären, warum die Durchlässigkeit und die Geraderichtung, die das Pferd selbst erfahren muss, dabei so wichtig ist.

Ich möchte Ihnen zeigen, wie wertvoll ihre Handgespräche und ihre Reiter-Sitzgespräche für das Pferd sind – und begleite Sie gerne persönlich in meinen Seminaren, auf der Suche nach einem plastisch verfügbaren, unabhängigen und losgelassenen Reiterkörper – der dann einen Reitersitz einnehmen kann. So wie das seit Jahrtausenden von Reitern gefordert und bei Reitern gefördert wurde.

Kommen Sie gut bei Ihrem Pferd an

Ihre Monika Buhl

www.biomotorik.eu

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